Das Beichtsakrament der katholischen Kirche

Im Gottesdienst am letzten Buß- und Bettag gab der ehemalige Kapuzinerpater Michael Helfer, der in unserer Gemeinde lebt, einige interessante und ungewöhnliche Einblicke in das Thema „Beichte“. Dies hat etliche Gottesdienstbesucher so beeindruckt, dass Herr Helfer für unseren Gemeindebrief einige Aspekte noch einmal aufgeschrieben hat.

 

In jeder katholischen Pfarrkirche werden Sie einen Beichtstuhl oder ein Beichtgesprächszimmer finden. Was geschieht hier Geheimnisvolles?
Etliche Jahre war ich Beichtseelsorger in einem Kloster in der Nähe eines Großstadtbahnhofs. Jeden Werktag kamen Menschen vorbei, die sich darüber im Klaren waren, dass ihr Lebensweg nicht nur mit „guten Taten“ sondern auch mit Sünde und Versagen gepflastert war. Ich war da, um mir dies anzuhören, mit den Leuten zu sprechen, aber vor allen Dingen, ihnen die vergebende Liebe Gottes zuzusagen.
Diese Zusage geschieht in einem Gebet des Priesters, das ich Ihnen erläutern möchte:

Gott, der barmherzige Vater, hat durch
den Tod und die Auferstehung seines
Sohnes die Welt mit sich versöhnt…

Das, was jetzt geschieht, hat seinen Ursprung in Tod und Auferstehung Jesu Christi, durch den wir alle schon erlöst sind.
Gott hat nicht gewartet, bis der Sünder zu ihm kommt, sondern hat schon vorher seine Barmherzgkeit gezeigt. (vgl. Röm 3,23)

…und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung
der Sünden…

Durch den Heiligen Geist haben wir von dieser liebenden Tat Gottes erfahren. (vgl. Röm 5,5)

…Durch den Dienst der Kirche schenke er
dir Verzeihung und Frieden…

Die Kirche, also die Gemeinschaft der Glaubenden und Getauften, hat den Auftrag, es in die Wirklichkeit des Menschen umzusetzen. Wenn ich als Teil der Kirche dieses Geschenk Gottes weitergebe, bin ich nicht Richter oder Ermahner, sondern jemand, der hilft, Verzeihung d.h. Versöhnung mit Gott, mit den anderen Menschen und mit sich selbst zu erfahren und damit Frieden zu finden.

…So spreche ich dich los von deinen
Sünden…

Oft habe ich mir gedacht, wer bin ich eigentlich, dass ich dies einfach so sagen kann? Vor mir kniet oder sitzt ein Mensch
mit einer Lebensgeschichte, oftmals länger und schwerer als meine eigene, ein Mensch mit hohen Ämtern in Politik oder Kirche, mit Erfahrung des Versagens, des Elends, von Armut, Prostitution oder Misshandlung, von Krankheit und Angst. Wenn Gottes Barmherzgkeit nicht wäre, wäre ich ein Großmaul und Betrüger.

…im Namen des + Vaters und des +
Sohnes und des + Heiligen Geistes…

Dieser Satz erinnert an die Taufe: Ich taufe dich im Namen des Vaters… – und das mit voller Absicht. In der Taufe haben wir als
Christen die Zusage erhalten: Du bist meine geliebte Tochter, du bist mein geliebter Sohn! Diese Zusage nimmt Gott nie zurück,
auch nicht wenn wir versagt, gesündigt haben. Im Bußsakrament (richtiger: Sakrament der Versöhnung) wird die Taufzusage
erneuert. Kein Mensch, der zum Beichten kam, wollte so weiterleben wie bisher. Deshalb gehörte auch meist ein Gespräch dazu , was er oder sie tun könnte, um nicht wieder die gleichen Fehler und Sünden zu tun.
Häufig lag die Ursache der Fehler darin, dass man sich nicht selbst mit seinen Grenzen beachtete und schätzte. Wenn Eltern
z.B. wegen eigener Überlastung nicht mehr liebevoll zu ihrem Kind sein konnten, nützt es wenig, nicht mehr laut werden zu wollen, sondern besser wäre es, etwas für sich zu tun. Für den ersten Schritt hierzu hatte ich ein Geldstück in der Tasche, um es dem „Sünder“ oder der „Sünderin“ zu geben mit der Bitte: „Gehen Sie ins nächste Café, gönnen Sie sich etwas Gutes.“
Denn die letzten Sätze des Beichtgesprächs lauten:

Gott hat Dir die Sünden vergeben.
Gehe hin in Frieden!

Michael Helfer

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