Klimafasten – einmalige Aktion oder nachhaltige Veränderung?

Fasten Sie vielleicht auch gerade? Mal sieben Wochen ohne Fleisch, Süßes oder das obligatorische Bier am Abend? Diese aus der christlichen Kirche kommende Form des Fastens kennen wir in der westlichen Welt als Vorbereitung auf das Osterfest seit 400 n.Chr. Sich jedoch in Verzicht zu üben, um das Klima zu schonen, das ist für manchen von uns doch noch sehr fremd und gewöhnungsbedürftig. Aber sollte die Bewahrung unserer Schöpfung für uns Menschen nicht eigentlich die natürlichste und elementarste aller Aufgaben sein?

Nun, ein Grund dafür, dass noch nicht so viele Menschen etwas mit dem Begriff Klimafasten anfangen können, liegt in der fehlenden Tradition. Erst vor einigen Jahren hat sich auf Initiative der christlichen Kirchen diese neue Fastenaktion in Deutschland etabliert, als Teil eines breiten gesellschaftlichen Bündnis´ für Klimaschutz namens „Klima Allianz Deutschland“, das aus 140 Mitgliedsorganisationen aus allen Lebensbereichen besteht. Neben dem Verzicht zum Wohle des Klimas hilft die Initiative Klimafasten vor allen Dingen auch beim Innehalten, um in der Passionszeit vor Ostern des Leidens zu gedenken; des Leidens Jesus Christus, der uns gezeigt hat, wie Schmerz durch Glauben, Liebe und Hoffnung überwunden werden können; und des Leidens unzähliger Menschen, Tiere und Pflanzen aufgrund von Erderwärmung und unseres rücksichtslosen klimaschädigenden Wirtschaftens rund um den Globus.

Klimafasten ist aber noch mehr: es ist ebenso ein Zeichen von Solidarität mit denen, deren Wasserreservoires leer sind und deren Bodenschätze weiter massiv ausgebeutet werden, damit auch keiner von uns auf sein neues Handy verzichten muss. Die Botschaft des Klimafastens ist Letztenendes so einfach wie genial: wenn jeder von uns lernt, sich auf das, was er zum Leben wirklich braucht, zu beschränken, so schont das nicht nur unsere Umwelt unmittelbar vor Ort, sondern es hilft auch den besonders gebeutelten Mitmenschen in den Ländern, wo der Klimawandel und die Umweltzerstörung schon heute besonders brutal wüten. „So viel Du brauchst…“ (2. Mose, 16) so lautet auch das Motto der diesjährigen Fastenaktion.

Um die Potentiale des Klimafastens möglichst anschaulich (be)greifbar zu machen, lassen Sie uns die siebenwöchige Passionszeit von Aschermittwoch bis zum Ostersonntag in je ein Kapitel pro Woche unterteilen, wobei in jeder Woche ein anderes Thema im Fokus steht und wir uns in jeder Phase selbst einen konkreten Beitrag überlegen können. Anbei einige Anregungen:

Woche 1: Wasserfußabdruck

Beispielsweise der Kauf regionaler Produkte und der Verzicht auf Fleisch, um unseren täglichen Wasserfußabdruck in Deutschland von rd. 3.900 Litern/Person zu verringern

Woche 2: Sparsames Heizen

Bsp. für individuellen Beitrag: Reduzierung der Raumtemperatur um 1 0C.; damit  Heizkosteneinsparung von 6%

Woche 3: Vegetarische Ernährung

z.B. drei Tage die Woche rein vegetarische Kost (für 1 Kg Steak fällt ein Wasserverbrauch von 15.500 ! Litern an)

Woche 4: Bewusstes „Digital-Sein“

Bsp.: Sonntags mal zum handyfreien Tag machen, seine Online-Zeit halbieren oder aber die alten Handys in der Schublade zum Recycling bringen

Woche 5: Einfaches Leben

Dinge aus dem eigenen Haushalt spenden, die noch in Ordnung sind, aber nicht mehr verwendet werden; bei Kleidung auf Langlebigkeit achten (1 Kg der in Deutschland oftmals getragenen indischen Baumwolle erfordert einen Wassereinsatz von 23.000 ! Litern); also vielleicht mal ein hochwertigeres Kleidungsstück kaufen, anstatt dreier billiger Teile von Primark.

Woche 6: Anders unterwegs sein

Radeln statt Benzin verbrennen, gut für unsere Umwelt und unsere Gesundheit oder Car sharing Angebote in Ettlingen nutzen

Woche 7: Neues wachsen lassen

Selbst Gemüse im Hochbeet anpflanzen; Engagement bei Umweltschutzinitiativen z.B. dem „Grünen Gockel“ der Johannesgemeinde.

Bitte missverstehen Sie mich nicht. Ich stehe hier ganz bestimmt nicht mit erhobenem moralischen Zeigefinger, nein, das ist nicht mein Motiv (außerdem bin ich dafür selbst viel zu fehlbar). Aber wenn ich doch eins in der Coronazeit gelernt habe, dann das man mit so viel weniger auskommen und dennoch zufrieden sein kann. Wenn nun jeder von uns durch sein individuelles Tun bzw. Unterlassen seinen kleinen Beitrag zum Klimaschutz leistet, so dankt ihm das nicht nur unser Planet, sondern es kann auch jeden von uns positiv verändern, körperlich, vor allem aber auch geistig. Und wer weiß: vielleicht wird manches zur guten Gewohnheit und Teil unseres Alltags, auch nach der Passionszeit.

Wenn Sie mögen, teilen Sie mit uns Ihre Erfahrungen Ihres persönlichen Klimafastens. Sie können uns Ihre Beiträge gerne an (e-mail Adresse von der Gemeinde?!) zumailen oder natürlich auch in den sozialen Medien posten.

Weitere Informationen und die Broschüre zum Mitmachen finden Sie hier: https://www.klimafasten.de/material-2021/download

Michael Falak, Kirchenältester

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