Alleluja Freuet euch, ihr Christen alle, EG… – eine Liedbetrachtung

Das, was ich hier mache, ist eigentlich ein „no go“. [engl. = geht nicht] Das geht eigentlich gar nicht… über ein Lied schreiben, ohne es zu singen. Ein Lied wird erst zum Lied, wenn es erklingt, wenn es gesungen wird. Das Lied entfaltet seine Kraft, wenn Musik und Text zusammenkommen. Bei diesem Lied erst recht… es erschließt sich, wenn die Töne hörbar werden und dem (Noten-)Text Leben einhauchen. Wie komme ich bloß raus aus dem Dilemma??

Ganz einfach: Ich lade Sie ein, das Lied zu singen und Ihre Erfahrungen damit zu machen. Am besten jetzt gleich, EG… Schlagen Sie’s ruhig mal auf. Aber halt… bevor Sie gleich loslegen mit Singen,… vielleicht helfen Ihnen meine Gedanken dazu, es besser zu verstehen oder gar liebzugewinnen. Und wenn Sie es mal so richtig mit Orgelsound im Gottesdienst singen möchten: am 26. Dezember im Weihnachtlichen Singegottesdienst steht es auf jeden Fall auf dem Programm!!

Kennen Sie das, wenn sich jemand so richtig breit macht und raumgreifend ist? Da ist für andere(s) manchmal gar kein Platz. Mir kommt es so vor, als ob sich hier jemand richtig breit macht: nämlich die Weihnachtsfreude! Die lässt kaum Platz für etwas anderes. Überschwänglich ist die Rede von der Freude, so dass andere Inhalte kaum vorkommen.

1. Freuet euch, ihr Christen alle, freue sich, wer immer kann,… Freude, Freude, über Freude… Wonne, Wonne, über Wonne.

Da sprudelt die Freude ja fast über und mir scheint, sie will jeden anstecken, der in die Nähe dieses Liedes kommt. Dazu hilft auch die tolle Melodie, die zunächst mal ganz schlicht daher kommt. Sie besteht fast nur aus gleichmäßigen Vierteln und schaukelt sich am Schluss der Strophe doch Stück für Stück nach oben. Fast wird man hineingezogen in die Freude, die auf dem höchsten Ton des Liedes endet. Nun ist das bei einem Weihnachtslied ja eigentlich nicht verwunderlich, dass es um die Freude geht. Fast alle Weihnachtslieder singen von der Freude und lehnen sich damit sozusagen an die Botschaft des Engels an: „Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch große Freude!“ Und doch hat man hier den Eindruck, die Freude nimmt soviel Platz ein, dass sie alles wegwischt, was die Freude trüben will. Mindestens während das Lied erklingt, soll mal kein Leid, kein Schmerz, keine Not, keine Dunkelheit Raum bekommen. Die holen sich ihren Raum im Leben ohnehin. Aber jetzt ist Freude angesagt!

Das tut gut, finde ich. Und das heißt nicht, dass das Leid damit kleingeredet wird. Im Gegenteil: hier ist Freude, denn „Christus wehret allem Leide.“ Und wie? Er legt sich in die harte Krippe und wird Mensch, um sich mit uns „befreundt’ zu machen. Gute Freunde sind ein Schatz im Leben. Und nun das: Gott sucht sich Freunde. Dich und mich. Er sucht sich uns Menschen aus, um Gemeinschaft zu haben und mehr als das: er will sich so sehr mit uns verbinden, dass nichts mehr zwischen uns kommen kann. Damit wir das echte lebenswerte Leben spüren und die Freude aus allen Knopflöchern scheint!

Noch etwas gilt es zu entdecken: das Lied bekommt einen „Halleluja-Rahmen“. Das heißt, die Strophen werden von einem tänzerischen Halleluja eingerahmt. Fast ist es wie die Aufforderung zum Tanz. So tänzerisch und lebendig kommt dieses Halleluja daher! Und nun kommt das Bemerkenswerte: in kaum einem Weihnachtslied findet sich ein Halleluja. Schaut man im Gesangbuch aber ein paar Nummern weiter, bei den Osterliedern… da gibt es kaum ein Osterlied ohne Halleluja!? Nanu! Wie das?

Ich verstehe es so: das Halleluja ist von jeher der Osterruf gewesen, das Lob für den Sieger über den Tod. Folglich wird die Weihnachtsfreude hier gewissermaßen von der Osterfreude ummantelt. Denn einen tieferen Grund für die Freude gibt es nicht. Jesus Christus hat dem Tod alle Macht genommen. Und mit dem kleinen Kind in der Krippe fängt diese Freude an und hört nicht auf, bis diese Welt zuende geht und in Gottes neuer Welt ewige Freude sein wird. Deshalb „Freude, Freude, über Freude und Wonne, Wonne über Wonne: Christus ist die Gnadensonne!“ Und diese österliche Weihnachtsfreude darf schon jetzt laut werden und singen und klingen und schwingen. Halleluja!

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